Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

Billig-Kleidung, gute Kleidung, Sonntagskleidung – oder Klamotten to go and throw away?

Step by Step © Liz Collet,Schuhe, Kinderschuhe, Damenschuhe, Heels, High Heels, Vergangenheit, Gegenwart, Kindheit, Kindesbeine, erwachsen, herauswachsen, Entwicklung, Kind, weisse Schafe, Unschuld, monochrom, Makro, Nostalgie, Erinnerung, Stil, Wandel, Veränderung, blau, Zukunft, Chronologie, edel, Luxus, Leder, Mode, Zeit

Step by Step © Liz Collet

Eigentlich musste man dazu nicht erst eine Umfrage machen, wenn man die Entwicklung der letzten Jahre beobachtete, im Bekleidungsgeschäften, in Kaufhäusern, an Kassen, die Umsatzzahlen von Unternehmen etwa. Nicht nur bei Hightech und anderen Waren der Marken Geiz ist Geil & Co.

Die Kundenströme in Billigmärkte für Kleidung und Schuhe. Nicht nur bei deren Eröffnung. Ungebremst und ungemindert auch nach Medienberichten über Ausbeutung von Arbeitern in Fabrinken in Billigproduktionsländern. Und dortigen Winziglöhnen und Arbeitsbedingungen.

Eine Brandkatastrophe in einer solchen Fabrik in Indien weckt kurzzeitig sensationelle Empörungs- und Betroffenheits-Aufmerksamkeit aus dem tellerrand-limitiertem Blick des Verbrauchers, der schon tags darauf wieder Schnäppchenklamotten bei Primark, Kik und Co jagen ging.

Nein, es wundert nicht.
Mich auch nicht – oder besser: es überrascht mich nicht. Verwundern mag allenfalls, warum der Mensch nicht lernfähig scheint, wo die Konsequenzen daraus so einfach wären und seit Generationen eigentlich geübt und bekannt sein könnten. Denn wie hiess es doch bei Eltern, Grosseltern noch? Wer billig kauft, zahlt den doppelten Preis. Weil es schlechtere Qualität, weniger lang haltbar und damit schnell neu ersetzbar sein muss. Oder nicht gefällt, bei Kleidung nach der ersten Wäsche, bei Schuhen, wenn der Absatz schlottert, usw.

Weil es so billig scheint, wird schnell neu gekauft: Es lohnt ja bei Pullovern für 3 Euro kaum, sich Nadel und Garn zu kaufen, um etwas zu flicken, wenn Nadel und Garn nicht mehr im Haushalt zu finden und beim Kauf teurer sind, als der ganze neue, billig produzierte und billig gekaufte und flugs entsorgte Pullover zu sein scheinen. Dann gibt es noch so fragwürdige Tipps von sog. Haushaltsexperten, die Sätze raushauen wie „Was 6 Monate nicht getragen wurde, sollten Sie wegwerfen oder in die Kleidersammlung geben“, anstatt Menschen Sätze zum Denken zu geben. Zum ÜBER-Denken ihres Kaufverhaltens, wenn es so viele Teile immer und immer wieder und noch in ihrem Kleider- und Schuhschrank gibt, die sie kaufen, aber monatelang nie tragen oder getragen haben. Überdenken sollte man nicht, ob noch im Kleiderschrank bleibt, was man 6 Monate nicht getragen hat, sondern warum man Dinge kauft, wieder und wieder solche Dinge kauft, die ungetragen bleiben. Stattdessen wird dem Konsumrausch noch das Wort geredet, wenn raus soll, was 6 Monate nicht getragen wird, garniert mit dem Alibi, noch was Gutes getan zu haben, wenn und weil man es der Kleidersammlung gibt.

Manchmal ertappe ich mich bei Gedanken, wie „Zu unserer Zeit“ und „Früher….“ und „bei uns war das noch …….“ , obwohl es für mich gar nicht nur früher so war, sondern gleich blieb, wie ich und was ich kaufe und was mir dabei wichtig ist. Das liegt nicht allein daran, dass ich mit wenig Geld aufwuchs, es mir selbst verdiente und verdienen musste, wenn ich mir etwas kaufen wollte. Und seit ich 15 war, auch meine Kleidung zu dem gehörte, was ich mir selbst leisten können musste, wenn ich welche brauchte oder kaufen wollte. Dass mir Bücher, Kurse bei der VHS neben der Schule für Sprachen, Maschineschreiben, Steno, PC und anderes, Lernmaterial für solche und für die Schule, ebenso wie die Finanzierung meines Studiums aus eigener Tasche zudem wichtiger waren, als jene Marken und Markenklamotten, DIE Markenjeans, die jeder haben wollte oder jeden Monat oder gar jede Woche Shoppen zu gehen, hat sicher sein Teil dazu beigetragen. Auch dazu, lieber den moosgrünen Mantel meines Grossvaters väterlicherseits aufzutragen, der nach seinem Tod von meiner Oma an meinen Vater weitergegeben worden war. Dem er aber eigentlich nicht passte und den meine Mutter nicht in jenem Mantel eines „alten Mannes“ sehen wollte. Er passte auch mir nicht, war natürlich zu weit und zu gross, aber ich brauchte einen Mantel und so trug ich ihn. Ebenso wie ausrangierte Herrenhemden meines Vaters. Letztere hauptsächlich zuhause zur Jeans, die Ärmel hochgekrempelt.

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Step by Step In Lifetime © Liz Collet

Denn eines war seinerzeit eh völlig normal: Gute Kleidung für Termine und Schule, die beste Kleidung nur für sonntags und besondere Anlässe und nicht mehr so schöne Kleidung wurde daheim eben aufgetragen. Ebenso wie man Dinge eben überhaupt auftrug: Jüngere die Sachen der Älteren. Nicht immer nur der älteren eigenen Geschwister. Auch in der Verwandtschaft gab man Sachen weiter.

Bei mir ist es noch heute so, dass ich Sachen, die nicht mehr so tadellos sind, eben daheim trage. Eine Strickjacke, die sachgerecht an einer schadhaften Stelle geflickt wurde oder schon ein wenig angestossene Bündchen hat, lässt sich hübsch ausbessern, sogar so, dass andere es nicht einmal merken. Wenn man sich darauf noch versteht und solches gelernt hat. Aber man trägt sie eben nicht mehr gern ausser Haus.

Wärmt sie etwa deswegen weniger gut? Kein bisschen, vor allem, wenn sie aus guter Wolle gearbeitet und gekauft oder selbst gestrickt ist. Im Gegenteil, es sind Strickjacken wie diese oder ein schon an zwei Stellen geflickter, dunkelblauer Segelpulli, in denen sich am schönsten und wohligsten kuscheln lässt, wenn man es behaglich daheim haben mag. Ich bin nicht eitel genug, mich an geflickter Kleidung zu stören, solange diese stets frisch gewaschen und gepflegt ist.

Wer mich weniger schätzt, weil ich eine geflickte Jacke trage, die mich wärmt und die ich mag, schätzt mich in Wahrheit gar nicht. Und solche Menschen sind mutmaßlich die ersten, auf welche man am wenigsten als Menschen oder Freunde zählen kann, wenn es auf den Menschen und nicht Klamotten und durch selbige gelebte Klischees ankommt.

Wo ist die Alltagswahrheit des Satzes: Ohne Ansehen der Person? Wo die gelebte Wahrheit des Satzes: Innere Werte, Wesen und Charakter eines Menschen machen diesen aus, nicht ob seine Jacke vielleicht geflickt sein mag? 

Ja, Kleider machen Leute – und dafür gibt es die guten, die besseren Stücke für Job, Termine, Sonntage und besondere Anlässe. Und eben die anderen, die man trägt, um die besseren zu schonen und ansonsten Kleidung aufzutragen, bis sie wirklich nicht mehr zu reparieren und zu flicken ist.

Doch nicht nur solche Stücke sind bei mir zwischen 15 und mehr als 20 Jahre alt und heissgeliebt daheim getragen. Auch manche Kleidungsstücke für meine beruflichen und anderen Termine sind mehr als 10 Jahre alt und tadellos, ohne schadhaft geworden zu sein. Sie waren sicher nicht für Preise wie bei Kik und Co zu bekommen, aber auch nicht so teuer, dass man auf sie verzichten hätte müssen aus Preisgründen. So hätte ich – um ein Beispiel zu nennen – für keines der „Landhauskleider“ seien sie aus Wildseide oder anderen Stoffarten je mehr als maximal 100   Euro ausgegeben, selbst wenn ich mir ein Mehrfaches des Preises leisten konnte. Tatsächlich – weil ich sie kaufte, wenn ich sie günstig erwischte – waren sie regelmässig erheblich günstiger. Nicht aus Geiz – sondern weil Kleidung in erster Linie funktionale Bedeutung hat, erst in zweiter modische Aspekte (klar, auch bei mir). Und dies in vernünftiger Releation stehen sollte: Was bekomme ich für mein Geld, wie lange habe ich was davon?

Ich kaufe nicht alle paar Wochen neue Schuhe, sondern allenfalls im Jahr ein neues Paar oder zwei. Ein All-Year-Schuhpaar (regelmässig schwarz oder anthrazit) und  vielleicht noch eines für den Sommer (heller Farbton oder weiss) .

Mehr nicht. Dabei habe ich eine bestimmte Marke seit rund 20 Jahren, die meine perfekte Zwischengrösse (38 1/2) haben, jedes Jahr immer mehr als ein Modell in meinem bevorzugten Schuhformen und verschiedenen Absatzhöhen in den von mir bevorzugten Farben haben; deren Schuhe ich kaufen, reinschlüpfen und tragen kann, ohne sie erst einlaufen oder mir eine Blase an der Ferse erlaufen zu müssen, wie bei allen anderen Marken oder no name Schuhen – DAS nenne ich Luxus. Und kaufe sie mir dann, wenn sie zu einem vernünftigen Preis zu haben sind – was pro Paar Schuhe für mich heisst: Je nach Modell der Marke zwischen 50 und 70 Euro. Errechnen Sie selbst, was bei maximal 1-2 Paar Schuhen per anno an Budget erforderlich ist für mich, wenn überhaupt, denn manches Jahr kaufe ich kein einziges neues Paar – manche habe ich bereits rund 10-12 Jahre, sie brauchen vielleicht mal einen neuen Absatz alle 1-2 Jahre und sehen stets aus wie neu. Was gute Pflege und pflegen nach dem Tragen bedingt.

An der falschen Stelle gespart, ist doppelt teuer bezahlt.

Ich kenne Menschen, die sich in Schuhläden Schuhe für 9,99 oder 19,99 Euro kaufen, sie tragen, ohne sie je zu putzen und nicht mal Schuhputzmittel im Haus haben und sie nach 1-2 Monaten wegwerfen. Weil sie dann aussehen, wie zum Wegwerfen oder nach dem dritten Anziehen den Absatz verlieren oder nicht lange getragen werden können, ohne dass die Fußsohlen leiden. Dann sind – natürlich – die Schuhe schuld.
Finden deren Käufer.

Die Käufer, finde ich. Wenn sie dann erneut und dem gleichen Verhaltensmuster treu, beim nächsten Einkauf nicht daraus lernen. Sondern erneut und wie Sisy-Fuß, pardon: Sisyphus ihre Füße wieder und wieder mit Billig-Ware beschuhen und besohlen.

Und ebenso mit Kleidung, deren chemische und anderen Aspekte fragwürdig genug das Kaufverhalten hinterfragen lassen sollten.

Bekleidung soll einer Umfrage im Auftrag von Greenpeace zufolge zum Wegwerfartikel geworden sein. Demzufolge würden von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken in deutschen Schränken 40 Prozent sehr selten oder nie getragen. Jeder Achte trage seine Schuhe weniger als ein Jahr lang. Kaum jemand lasse Kleidung ausbessern. Mode sei zum Wegwerfartikel wie Einweggeschirr verkommen.

Für wichtig werde gehalten, den schnell wechselnden Trends zu folgen. Daher würden Kleidungsstücke rasch aussortiert und landeten im Kleidercontainer oder im Müll.

Mehr als 1000 Menschen zwischen 16 und 69 Jahren waren für die Analyse im September befragt worden. Demnach besitzen Frauen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke (ohne Strümpfe und Unterwäsche), Männer 73 Teile. Frauen aus dem Westen Deutschlands haben am meisten Kleidung im Schrank.Mehr als die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen war noch nie beim Schuster. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten sortieren Kleidung aus, weil sie ihnen nicht mehr gefällt. 83 Prozent der Befragten haben noch nie Kleidung getauscht, über die Hälfte noch nie welche verkauft. Wenn die Befragten Kleidung aussortieren, wandere sie oft in den Müll, hieß es von Greenpeace weiter. Fast die Hälfte der Befragten hat demnach in den letzten sechs Monaten Kleidung weggeworfen. „Das geht zulasten der Umwelt und der Gesundheit, denn die Kleidung wird mit Hunderten giftiger Chemikalien produziert“, sagte Brodde.

Bei der Frage nach Gütesiegeln klaffen Wunsch und Wirklichkeit der Verbraucher auseinander. Jeder zweite Befragte gab an, dass Siegel für nachhaltig, umweltverträglich und fair hergestellte Kleidung sehr hilfreich seien. Zugleich achtet aber nur jeder Vierte beim Kauf auf nachhaltige, umweltverträgliche oder faire Produktion.

Sie wissen ja jetzt, wo bei den Befragten Sie mich vermuten dürfen oder auch nicht. Und wie ist das bei IHNEN?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am November 23, 2015 von in Medley und getaggt mit , , , , , , .

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