Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

„Veggie-Fleischsalat“ – Also: Entweder oder…….oder doch nicht?

Russische Eier mit Lachs und Kaviar © Liz Collet

Russische Eier mit Lachs und Kaviar © Liz Collet

Darf ein Hersteller von Lebensmitteln ein Produkt als „Veggie-Fleischsalat“ verkaufen oder ist das ein den Verbraucher irreführender Etikettenschwindel?

„Wenn man wissen will, was im Fleischsalat wirklich drin ist, macht man ihn besser selbst!“ …..

…..lernte ich als Kind. Obwohl der Kauf des Fleischsalates damals durchaus üblich war und dieser besonders gern zu „illustrierten Broten“ neben den Eiern mit mayonnaise-gepunkteten Tomatenkappen in Fliegenpilz-Figuren und anderen Klassikern serviert wurde und neben den „Russischen Eiern“ mit Mayo und geschnetzeltem Lachs aus dem Gläschen, der nicht wirklich Lachs, sondern Lachsersatz (aus Seelachs nämlich) war und ist oder „Deutschem Kaviar“, der bekanntlich nicht vom Stör, sondern vom Rogen des Seehasen stammt.

Und um Ihnen nicht nur die damit verbundenen Illusionen zu nehmen, die (hoffentlich) ohnehin nicht mehr viele über Lachs- und Kaviarersatz haben, gleich noch ein Geständnis: Als Kind liebte ich diese russischen Eier.

Und dass ausgerechnet eine vor ein paar Jahren mal mit solchen gefertigte Fotoserie sich bis heute mit Fotolizenzen gut verkauft, ist umso interessanter und amüsanter, als sie ausgerechnet in den Ländern zu Illustrationen verwendet wird, aus denen man eigentlich echten Kaviar und auch Lachs bekommen würde und wo die Bilder diese angeblich auch darstellen. Da nutzen meine korrekten Keywords nichts, die eigentlich keinen Zweifel lassen, dass es „nur“ Lachs- und Kaviarersatz ist, was im Foto gezeigt wird. Lebensmittelhandel und seine Werbung, Redaktionen, Verlage und Medien kümmert das indessen eben nicht immer, wenn sie Bilder lizenzieren und damit Beiträge oder Werbung illustrieren. Auch das in gewissem Maße also eine, wenn auch legale optische Täuschung, wenn Sie so wollen.

Und wenn wir heute diese „Ersatz-„Lebensmittel ein wenig belächeln, sollte man nicht vergessen, dass diese in einer Zeit des Wirtschaftswunders und nach Zeiten auf den Markt gebracht worden waren und zu begehrten Dauerbrennern wurden, wo Hausfrauen nicht nur „Falsche Hasen“ brieten, sondern aus Zichorien und anderen Dingen nicht nur „Kaffee“ brühen mussten – oder konnten, was bereits Luxus war. Was damals und diesen Generationen unserer Grosseltern aus Not geborene „Mogelpackungen“ waren, hat sich beim Lebensmittelhandel heute als Möglichkeit verbreitet, durch preiswertere oder qualitativ weniger hochwertige Zutaten Produktionskosten zu minimieren und den Gewinn zu halten oder zu maximieren, um im Wettbewerb bei Billigpreisen auszugleichen. Die Preise aber nimmt der Verbraucher durchaus mit, wenn er bei Lebensmitteln spart, oder?

Doch wie ist das nun mit dem „Veggie-Fleischsalat“, bei dem es – im Trend des Hypes um Kritik an Massentierhaltung und Fleisch aus Mastbetrieben – dann auch noch um die Vermarktung eines besseren Essens durch vegetarische Ernährung gehen soll. Wo man aber auf die offenbar seit Jahrzehnten eben doch zu starke „Marke“ Fleischsalat als Marketingbegriff für etwas nicht zu verzichten wagt, das unverändert auf der Deutschen Tisch und Einkaufsliste läuft wie geschnitten Brot, auf das der Kunde es verteilt? Denn was würde hindern, diesen Veggiesalat als „Zucchini-Feinkostsalat“ oder was immer für ein Gemüse sonst (statt Fleisch) drin ist, zu bezeichnen und zu vermarkten, wenn eben nicht die Überlegung,  den „Fleischsalat“ weiterhin im Namen führen zu müssen, damit eine lieb gewordene Gewohnheit auf dem Brot vom Konsumenten angenommen wird, selbst wenn kein Fleisch darin ist?

Was eh selten genug der Fall ist beim „echten“ Fleischsalt, der mehr Lyoner oder andere Fleischwurst enthält, als eben……….na, Fleisch halt.

Die Antwort dazu, ob das mit dem „Veggie-Fleischsalat“ erlaubt ist, lesen Sie hier.

Und wie der „Fleischsalat“ sonst so hergestellt wird und wie ein Test ausfiel, lesen und sehen Sie hier bei einem Marktcheck  des NDR: „Fleischsalat: Wenig Fleisch, unklare Herkunft“

Und wenn nun auch Sie Schildlausextrakt, Nitritpökelsalz und anderes nicht so prickelnd finden, dann machen Sie es vielleicht auch wie ich seit vielen Jahren: Ich mach meinen Fleischsalat selbst. Mal aus guter Wurst oder Leberkäse vom Metzger meines Vertrauens, mal mit Fleisch, aber mit selbstgemachter Mayo und nur den Zutaten, die ich kenne, ohne sie googeln zu müssen oder in einer Liste nachzulesen, in denen es von E-Ziffern und Hieroglyphen nur so wimmelt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am März 11, 2016 von in Medley und getaggt mit .

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