Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

Verbraucher, die MIT MHD zu viele Lebensmittel wegwerfen, werden OHNE MHD weniger vergeuden? {Logisch?}

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Verschlußstreifen mit Mindesthaltbarkeitsdatum© Liz Collet

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Gütesiegel, welches dem Verbraucher sagt, wie lange ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine Farbe, seinen Geruch, die Konsistenz und den Geschmack behält und damit mindestens haltbar ist. Der Begriff ist eigentlich selbsterklärend.

Dass die Hersteller das MHD nach eigenem Ermessen mit einer solchen Zeitangabe festlegen, sichert sie nicht nur gegen Regressansprüche ab, falls ein Produkt irgendwann nicht mehr ganz so schön aussieht oder der Joghurt beim Abziehen der Folie oder Abschrauben des Deckels am Glas Flüssigkeit an der Oberfläche gesammelt hat. Hersteller kennen ihre Produkte und wissen daher naheliegenderweise zunächst am besten, wie lange ihr Produkt mindestens die genannten Eigenschaften und Haltbarkeit aufweist.

Das heisst aber eben nicht, dass ein Lebensmittel nach Ablauf der MINDESThaltbarkeitsdauer nicht noch verzehrbar wäre und auch gut schmecken mag.

Verpackte Nudeln aus Hartweizen etwa weisen ein MHD von ein bis drei Jahren aus. Richtig – also trocken und verpackt gelagert – sind sie aber auch noch Jahre danach verzehrbar.

Und um zum Joghurt zurückzukommen: Selbst 1- 2 Monate nach Ablauf der MHD kann er noch völlig tadellos zu geniessen sein, vorausgesetzt, die Verpackung war ungeöffnet und unbeschadet und der Joghurt hat keinen Schimmel angesetzt. Ich habe das selbst getestet – nicht weil ich so viel davon kaufe, dass er so lange überfällig werden könnte, ohne verbraucht zu werden. Sondern aus banaler Neugier und als privatem eigenen Produkttest. Ich habe dazu 5 Becher unterschiedlicher Marken eigens gekauft, verwendet und diese im Abstand von je 1-2 Wochen nach Ablauf des MHD dann geöffnet, verkostet und verbraucht – teils pur, teils zur Herstellung von Frischkäse.Völlig tadellos. Dass ich das im Alltag sonst nicht brauche, liegt allerdings daran, dass ich grundsätzlich vor dem Einkauf (stets mit Einkaufszettel) überlege, was wirklich benötigt wird und diese Zutaten auch frisch und zeitnah verwende. Lebensmittel wegzuwerfen, weil sie nicht vor dem Verderben verwendet wurden, kommt bei mir schlicht nie vor.

Wer nicht schmeckt, ob Joghurt, Milch oder Quark noch frisch und verzehrbar oder „sauer“ oder verdorben ist, dem würde auch kein MHD helfen, wenn er sich allein darauf verlässt und einen durch unbemerkt gebliebene Beschädigung der Verpackung verdorbenes Milchprodukt zu sich nimmt.

Dennoch ist das MHD m.E. nicht unverzichtbar, wie es nun gefordert wird.  Das hat nicht nur mit der Absicherung der Hersteller aus rechtlicher Sicht zu tun, sondern als bewährte Hilfe und Absicherung für Verbraucher.  Das MHD gibt es seit mehr als 30 Jahren und ist für den Großteil der Nahrungsmittel gesetzlich vorgeschrieben und zwar in der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung.

Der Bundesernährungsminister Schmidt will das MHD nun abschaffen, weil viele Verbraucher irrtümlich davon ausgehen, dass sie Lebensmittel nach dessen Ablauf nicht mehr anrühren sollten. Nach einer neuen Studie des Ministeriums sei der Ablauf des MHD mit einem Anteil von 43 Prozent einer der Hauptgründe, warum Menschen Essen wegwerfen. Er will daher, dass auf die Verpackungen von Milch und Schinken ein echtes Verfallsdatum gedruckt werde, nach dem diese Produkte tatsächlich nicht mehr genießbar wären.

Ein solches Verfallsdatum gibt es bereits für leicht verderbliche Lebensmittel wie Hackfleisch. Es ist sozusagen eine „deadline“, nach dem Ablauf des Datums verfällt die Verzehrbarkeit. Nach dem Verfalls- oder Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“) können Bakterien im Fleisch oder Fisch den Verbraucher krank machen oder gesundheitlich schwer schädigen. Und was Fleisch oder Hackfleisch angeht – ich habe schon solches vor Ablauf des Verfallsdatums bei Bekannten gesehen, das nicht mehr appetitlich aussah und noch weniger roch und das ich keinesfalls hätte verwenden oder gar essen wollen.

Beim MHD hingegen ist ein zeitlicher Spielraum für die Lebensmittel, die nach ihrem Ablauf nicht verdorben sein müssen und verwendet werden könnten. Die Fixierung eines Datums auch für diese, wann diese spätestens oder nicht spätestens, aber dann doch nicht mehr verzehrfähig sein sollen, ist schon praktisch nicht realistisch machbar: Welches Datum wollen Sie zB als solches Verfallsdatum nehmen? Das letztmögliche von welchem Zeitraum für Pasta? 3, 4, 5 Jahre nach dem Weg in den Supermarkt vom Händler? 6 Jahre danach? Egal welchen Sie da festlegen, wird ein Verfallsdatum fixiert, obwohl die Pasta noch verwendbar wäre. Es würde daher genau das Gegenteil bewirkt von dem, was man erreichen will: Lebensmittel nicht wegzuwerfen, die noch verzehrbar sind. Ebenso bei Joghurt oder anderen Milchprodukten, die bisher ein MHD und nicht ein Verfallsdatum haben.

Besser wäre es, Verbraucher würden wieder einen besseren Umgang mit Lebensmitteln lernen und üben, die nicht verarbeitet sind, anstatt von Fast Food und Convenience Produkten maßgeblich zu leben und zu verlernen, wie Lebensmittel frisch und nicht mehr ganz so frisch und nicht mehr verzehrbar aussehen, riechen und schmecken. Wer aber ein Sammelsurium von E-Ziffer-Zutaten, Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromen hinnimmt und als normal „schmeckt“ und „schnuppernd“ riecht, die künstlich haltbar sind, muss sich kaum wundern, wenn er ohne fremdbestimmt aufgedruckte Daten hilflos wird und sich davon lenken lässt. Geradezu erschreckend kann man dazu passend die Kommentare von Nutzern exemplarisch ansehen, die vor wenigen Tagen im Zusammenhang mit den „täglich frischen Gerichten“ abgegeben wurden, welche ALDI in den Handel bringt und die in einem Beitrag von NDR getestet wurden.

Zu erwarten, dass diese (inzwischen erschreckend verbreitete) Zahl von Konsumenten, bei Streichung des Mindesthaltbarkeitsdatums besser ohne ein solches wissen würden, ob und wie lange jeweilige Lebensmittel noch essbar sind, die schon mit Mindesthaltbarkeitsdatum als Richtschnur nicht mehr wissen, dass es einen Tag später immer noch gut aussieht, gut riecht und schmeckt, wenn sie es am Tag vorher und danach vergleichen und an folgenden Tagen, widerspricht jeder Logik und Menschenkenntnis. Solche Verbraucher würden bei einem stattdessen geltendem Verfallsdatum die Lebensmittel dann auch bis zu diesem essen und trinken, selbst wenn es schon „einen Stich“ hätte, wie Milch etwa. Und weil auch Verfallsdaten einen Sicherheitszeitraum einkalkulieren müssen, würden eher mehr Lebensmittel verschwendet, als verwendet. Bei lange haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis und Mehl auf ein Mindesthaltbarkeitsdatum zu verzichten und lediglich ein Herstellungsdatum zu nennen, wie der Minister plant, wäre hier kontraproduktiv.

Auf vom Ministerium geförderte Forschungsprojekte um intelligente Verpackungen zu setzen, deren Ergebnisse in etwa drei Jahren vorliegen sollen, setzt den Hebel doppelt falsch an:

Weder wird an Verpackungen gespart, die ein eigenes Umweltproblem darstellen und zudem als Kostenfaktor auf Waren im Handel mit zu Lasten der Kunden einfliessen würden; der mit den dazu zB zu nutzenden technischen Chips anfallende Elektroschrott ist ein weiteres Problem.

Noch fördert es die Eigenverantwortung und (Wieder-)Befähigung des Verbrauchers, den verzehrfähigen oder nicht mehr essbaren Zustand von Lebensmitteln selbst zu erkennen und einzuschätzen und Haltbarkeitshinweise gleich welcher Art nur als sekundäre Richtschnur zu benötigen.

Solche „intelligenten“ Verpackungen fördern vielmehr eine zunehmende Verdummung der Verbraucher. Wer das nicht als inakzeptbel unsinnigen Widerspruch erkennt, hat mehr als nur das Problem, Lebensmittel noch richtig einzuschätzen, wertzuschätzen und zu nutzen.

Während parallel Schulunterricht für Kinder zum Umgang mit Lebensmitteln propagiert wird, in dem intelligenterer Umgang mit Lebensmitteln da beginnen sollte, vernunftbegabt nach Bedarf und nicht für Wochen im voraus unnötigerweise, sondern frischestmöglich einzukaufen und zeitnah zu verbrauchen. Und  Vorräte zwar zu nutzen, aber entsprechend den Eigenschaften der Lebensmittel zu lagern und anzulegen und zu verbrauchen.

Für frisches Brot, Obst und Gemüse etwa gibt es eh kein MHD und kein Verfallsdatum – hier wird aber ein erheblicher Anteil weggeworfen. Auch hier lösen zusätzliche und vermeintlich intelligente Verpackungen, die es bisher dafür nicht gibt und geben muss, nicht das Problem, sondern schaffen überflüssige weitere ohne jeden Nutzen. Wer nicht mehr weiss, bei welchem dieser Lebensmittel wie und woran erkennbar ist, ob und was man dann doch noch essen kann, dem ist nicht mit Daten und Verpackungen zu helfen, sondern nur mit Nachsitzen, pardon: Nachholen und Auffrischen von Wissen über Lebensmittel. Denn das ist jahre- und jahrzehntelang in den Hintergrund geraten, seit Covenience und Mittel und Wege der Haltbarkeitszusatzstoffe als das Gelbe vom Ei gepriesen und gehandelt wurden. Während der Verbraucher nicht mal mehr weiss, wie er rohe Eier behandeln muss und kann. Damit er für einen Appel und ein Ei und mit dem Gebrauch des eigenen Verstandes Kosten und Lebensmittel einspart, dafür aber die gekauften zu 100% verwendet und geniesst und nicht vergeudet.

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