Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

Thiacloprid: Gefährliches Nervengift im Honig

Fruits And Honey © Liz Collet

Fruits And Honey © Liz Collet

Honig gilt vielen als besonders gesundes Lebensmittel. Viele setzen sich auch seit einiger Zeit für das „Stadtimkern“ und private Bienenboxen ein und engagieren sich mit Freude, Überzeugung, zeitlichem und auch einigem finanziellem Aufwand dafür, sich dazu nötige Kenntnisse durch Kurse und Schulung anzueignen, um dabei alles richtig zu machen. Nicht nur, um dadurch selbst Honig zu gewinnen, sondern auch oft genug in erster Linie zum Erhalt von Bienen und gegen das Bienensterben.

Mein Apfelbäumchen © Liz Collet

Mein Apfelbäumchen © Liz Collet

Und während man beim Blick in die übervoll blühenden Obstbäume blickt, in denen es summt und surrt und bienenfleissig gearbeitet wird, freut mancher sich vermutlich auf den Honig, den seine eigenen Bienchen ihm auch alsbald liefern werden. Kleine Belohnung für die eigene Arbeit und Engagement zur Erhaltung ihrer Art und Völker. Die – wie man ja weiss – auch das Überleben der Menschheit sichern.

Honiggewinnung ist dabei individuell mehr oder minder Neben- oder Haupteffekt, je nachdem. Zweifellos wünschen sich auch diese begeisterten und engagierten neuen privaten Imker mit ihrer Bienenbox oder gar mehreren solcher auf Balkon und in Gärten auch einen gesunden und von Schadstoffen freien Honig zu gewinnen, der nicht – wie mancher andere im Handel – aus verschiedenen EU- oder Nicht-EU-Ländern stammt und aus verschiedenen Honigen zusammengemischt wurde. Oder von dort importiert weniger transparent macht, welche dort geltenden Regelungen hinsichtlich Schädlingsbekämpfungsmitteln oder gentechnisch veränderten Pflanzen und von diesen über die Bienen gewonnenen Honigsorten ihnen weniger schmecken würden.

Was aber, wenn auch ihre nunmehrigen neuen Bienenvölkchen oder Bienen auch hierzulande nicht gegen Schädlingsbekämfpungsmittel sicher sind, die von Landwirtschaft und Privatgärtnern verwendet werden?  Und die im Fluggebiet auch der so engagierten Privatimker liegen und damit in ihren privat gewonnenen Honig eingehen? Wie auch in handelsüblichen Honig, der anders als privat gewonnener Honig immerhin noch in gewissem Umfang Lebensmittelkontrollen unterzogen würde? Und selbst letzterer ist offenbar belasteter, als Verbraucher vermuten würden, die Honig im Alltag und zudem nicht selten auch zur Gesundheitsförderung präventiv wie kurativ gern nutzen, nicht nur bei Erkältungskrankheiten.

Berichten zufolge, soll in immer mehr Honigproben das Nervengift Thiacloprid nachzuweisen sein. Bestimmte Konzentrate mit dem Wirkstoff aus der Schädlingsbekämpfung dürfen an Kleingärtner inzwischen nicht mehr abgegeben werden. Doch Stichprobenkäufe im Internet sollen das Gegenteil belegen, zudem werde es auch in der Landwirtschaft weiter massiv eingesetzt. Auserdem sei zu befürchten, dass der Grenzwert für Thiacloprid im Honig sogar demnächst wieder heraufgesetzt werden könnte.

Thiacloprid gehört zu den Neonicotinoiden. Es wird in der deutschen Landwirtschaft und in privaten Kleingärten seit langem gegen saugende und beißende Insekten eingesetzt. Wissenschaftlern zufolge besteht die Vermutung, es schädige auch wichtige Blütenbestäuber, also Bienen, Hummeln, Motten und Schmetterlinge. Ausserdem stehe es im Verdacht, das für das Gedächtnis und das Lernen zuständige Nervensystem und den Orientierungssinn zu stören.

Selbst wenn Blütenbestäuber nach der Aufnahme des Nervengiftes auf der Pflanze nicht verstürben, fänden sie oft nicht mehr zu ihrem Stock zurück. Bereits niedrigen Dosen verändern nach Angabe des Neurobiologen Professor Randolf Menzel massiv das Verhalten. Er hat zahlreiche Versuche mit Honigbienen durchgeführt. Demnach könnten die Tiere je Blütenkontakt zwischen 300 und 700 Nanogramm Thiacloprid aufnehmen, das Verhalten werde bereits bei 10 Nanogramm massiv beeinträchtigt. Menzel warnt zudem vor der noch viel stärkeren Empfindlichkeit von wichtigen Bestäubern wie Wildbienen und Hummeln, die auf das chemische Mittel nicht so flexibel reagieren könnten wie die großen und relativ robusten Honigbienenvölker.
Dies und weitere Details zum Thema berichtet der NDR HIER.

Demnach komme auch im Honig der Wirkstoff Thiacloprid inzwischen immer häufiger vor. Untersuchungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge seien in zahlreichen Honigproben nachweisbare Mengen des Schädlingsbekämpfungsmittels enthalten gewesen:  Im Jahr 2015 waren von 237 Honigproben schon 73 mit Thiacloprid belastet.

Hergestellt wird der Wirkstoff Thiacloprid seit mehr als 15 Jahren von der Bayer CropScience AG mit Sitz in Monheim. Schädlingsbekämpfungsmittel für private Anwender, die zum Beispiel neun Gramm pro Liter Thiacloprid enthalten und für die der Hersteller Bayer CropScience AG aus Monheim die Zulassung in Deutschland zum 21. August 2015 zurückgerufen hat, dürfen seit dem 21. Februar 2016 nicht mehr angeboten und verkauft werden.

Reportern von Markt sei es jedoch in mehreren Fällen gelungen, nicht mehr zugelassene Konzentrate noch nach dem 21. Februar 2016 im Internet problemlos zu erwerben. Eine Online-Händlerin, die Markt belieferte, habe dem Bericht zufolge erklärt, weder sie noch ihr Großhändler seien über den Widerruf der Zulassung informiert worden.

Dem widerspricht der Hersteller mit der Erklärung, Bayer habe im Jahr 2015 Händler frühzeitig über den geplanten Verkaufsstopp informiert und eng mit ihnen und den zuständigen Behörden zusammen gearbeitet.

Auch berufliche Anwender wie Landwirte oder professionelle  Zierpflanzenzüchter können noch hoch konzentrierte Thiacloprid-Mittel (zum Beispiel 480 Gramm pro Liter) erwerben. Thiacloprid wird nach Aussage von Bayer  in Deutschland seit Jahren auf Rapsfeldern von mehr als einer Million Hektar ausgebracht.  Zudem werden in der Landwirtschaft auch Samen vorbeugend mit dem Wirkstoff behandelt, der sich dann in der ganzen Pflanze und damit auch in den Blüten verteilt.

Nach Angaben von NDR Markt könnte der Grenzwert für Thiacloprid im Honig in der Europäischen Union sogar wieder von 0,05 auf 0,2 Milligramm pro Kilogramm Honig angehoben werden. Grundlage sei eine Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vom 1. März 2016, die zu dem Ergebnis gekommen sei, dieser Wert sei gesundheitlich unbedenklich. Die Bayer CropScience AG hätte sich für eine Heraufsetzung des Grenzwertes stark gemacht. NDR Markt bezieht sich für diese Behauptung auf ein Markt vorliegendes Informationsschreiben an den Handel.

Laut einer Einschätzung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA kann das Mittel jedoch die Fortpflanzung des Menschen beeinträchtigen. Laut Sicherheitsdatenblatt des Herstellers selbst steht es zudem im Verdacht, krebserzeugende Wirkung beim Menschen zu haben.

 Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich im Jahr 2015 gegen die Bayer AG in einem Prozess durchgesetzt, in welchem es um die Zulässigkeit seiner Bewertung der Kennzeichnung „nicht bienengefährlich“ als „Verbrauchertäuschung“ ging. Der BUND darf nun nach einem  Urteil des Düsseldorfer Landgerichtes  weiter behaupten, zwei von Bayer hergestellte Produkte mit dem Wirkstoff Thiacloprid seien schädlich für Bienen. Bayer verzichtete darauf, gegen dieses Urteil Berufung einzulegen. Die Bayer CropScience AG zu Markt: „Wir halten die Aussage des BUND nach wie vor für inhaltlich unzutreffend.“ Denn Bayer sieht in Thiacloprid weiter einen „wichtigen Baustein eines abgestimmten Resistenzmanagements in der Schädlingsbekämpfung“.

Der französische Forscher Jean-Marc Bonmatin hat an einer Metastudie mitgearbeitet, für die rund 800 Einzelstudien der vergangenen zwei Jahrzehnte zum Thema Neonicotinoide ausgewertet wurden und bewertet das anders. Seiner Meinung nach seien die Beweise, man sei „Zeuge einer Bedrohung der Produktivität unserer natürlichen und landwirtschaftlichen Umwelt, vergleichbar mit der Gefahr durch DDT.“

Dies und weitere Details zum Thema berichtet der NDR HIER.

Ausserdem sehen Sie einen rund 9-minütigen Videobeitrag beim NDR in der Mediathek zu dem Thema unter anderem auch zu den Einkaufsproben von NDR Markt HIER:

„Gefährliches Nervengift im Honig“ -Markt – 02.05.2016 20:15 Uhr –  Autorin: Alexa Höber

Auch das könnte Sie interessieren:

Und zum Thema Honig:

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Lizchens Suppenküche

Liz Collet's Project "One Soup A Day – 366/2012"

Follow Lizchens Markt-Gangerl on WordPress.com

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Timeline

Mai 2016
M D M D F S S
« Apr   Jun »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

SmoothBreeze7s §§ & Fingerfood – Weekly News

S[ch]Nacks between Antipasti+Dolci+§§ Snack

Impressum

Liz Collet /
Elke E. Rampfl-Platte
Liz Collet Photography
Lindenburgweg 2
82418 Murnau am Staffelsee
Tel: +49-8841-405 6175
Mail:

SandMuschelchen[at]aol.com

Rechtliche Hinweise :
Alle rigths reserved/tous droits reservés.
No publishing of any part of this site or pictures without my permission.
%d Bloggern gefällt das: