Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

Kluftingers Autoren fühlen sich nicht genug „Wert“ {Buchtausch gegen bare, pardon: Ware ALDI-Kaffee}

© Liz Collet

© Liz Collet

Es ist – auf den ersten Blick – vielleicht wirklich ein bisschen zum Heulen. Für Autoren. Die in einem Inserat ihre Werke im halben Dutzend zum Tausch gegen eine Kilopackung bestimmten ALDI-Kaffees angeboten finden. Vielleicht die bevorzugte Kaffeesorte des Krimi-Lesers unter den im Discounter angebotenen Sorten. Oder einfach nur diejenige, die er sich leisten kann. Aber immerhin scheinen ihm gedruckte Bücher und deren Kauf wichtiger, als ein teurerer Kaffee und offenbar auch besser, als gehypte Kapselkaffeeautomaten, die wenig umweltfreundlich sind.

Vielleicht hofft er auch einfach nur auf Leser aus dem Kundenkreis des Discounters, die dort gern ein Kilopackerl Kaffee zusätzlich mit in den Einkaufswagen packen, um dafür 6 Kluftinger-Krimis eintauschen zu können. Die sie sich neu nicht leisten oder nicht im Buchladen kaufen können. Und vielleicht lieber im Tausch bei ihm „kaufen“, als sie gebraucht online zu bestellen.

Man kann als Autor zum Heulen finden, dass Bücher gebraucht wenig Geld einbringen, so wenig, dass sie gegen Lebensmittel getauscht werden. In nicht wenigen FB-Foren werden für Waren wie Kinderkleidung, -spielzeug und -möbel und andere Gegenstände bis hin zu Büchern gebrauchte Dinge nicht selten gegen eine Tüte Gummibärchen Angebote gemacht und gern angenommen.That’s life!

Man kann natürlich trotzdem mit diesen sarkastisch-gekränkten Worten bei Facebook Mitleid, Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten für die gekränkte Autorenseele und Empörung unter den Fans und Followern heischend posten, die orthographisch (vor allem für ein Autoren-Duo) durchaus optimierungsbedürftig sind:

„Schön, wenn man endlich mal weiß, was man Wert ist…“

Ich bin zuversichtlich und halte mich nicht für übertrieben optimistisch, auch unter ALDI-Kunden viele zu finden, die ad hoc den Fehler in diesem Satz zu entdecken. Fehler, für die manche Autoren vielleicht den Lektor zu Recht benötigen, damit derlei suboptimale Orthographie sogar eines Duetts von Autoren nicht Eingang in ein gedrucktes oder sonst veröffentlichtes Buch eines Verlages findet.

Damit sind wir bereits bei einem der ersten durchaus positiven Aspekte der Anzeige, die sich offenbar durch die larmoyante Betrachtung der Annonce durch die Autoren keine Bahn zu brechen verstehen:

Vorweg – ich hätte auch eher einen Kaffee beispielsweise aus der Murnauer Kaffeerösterei bevorzugt. Der wäre auch online und nicht nur am Ort zu kaufen, aber zweifellos wäre das etwas umständlicher, als der Weg in den nächsten Discounter für die erhoffte Zielgruppe gebrauchter Krimibände und billiger ist der Discounter-Kaffee nun mal auch. Ob selbiger auch preiswerter wäre, ist ein anderes Thema, aber das sei hier nicht vertieft.

Was aber ist ein gebrauchter Krimi heute wert, der auf dem Markt angeboten wird? Aus der Annonce geht nicht hervor, welche Bände im angebotenen halben Dutzend den Besitzer wechseln wollen und sollen. Und auch nicht, ob gebundenes Buch oder Taschenbuch.

Auf Anhieb aber zeigt sich der Vorteil von gedruckten Büchern vor der E-Books-Version – sie sind handelbar und wollen und sollen noch von anderen gelesen werden und an solche weitergegeben. Ob das gegen Bargeld geschieht oder anderen Warenwert, dem man auch Geldwert zumessen kann, ist das so ein Grund zum Heulen? Klar, Autoren und Verlage wünschen sich mehr Umsatz durch Verkauf neuer Bücher. Aber der Kauf der gedruckten Bücher durch den Leser, der sie bereits gekauft hatte, ist nichts wert? Dass er sie weiterverkauft und damit immer auch Werbung im Nebeneffekt macht, auch nicht?

Er misst dem gedruckten Buch bereits Wert bei, als er es selbst kauft, wenn er es weiter verkauft erneut und wirbt für mehrere Dinge, die den Autoren offenbar selbst nichts wert scheinen, denn sie erkennen es nicht. Betrachten WIR es also mal näher:

Der Annoncierende hat 6 Bücher der beiden Autoren gekauft und dafür Geld ausgegeben, nicht „nur“ die verfilmten Krimis im TV gesehen, für die er zwangsweise eh GEZ zahlen muss.

Er hat mit dem gedrucktem Buch diesem Wertschätzung entgegengebracht.

Er scheint ein Fan und Wiederholungstäter zu sein, denn er hat immerhin mindestens 6 Bücher gekauft und gelesen von diesen Autoren, die ihn nun verspotten, weil er die Bücher nicht einfach ins Altpapier gibt, sondern aus welchen Gründen auch immer, diesen selbst noch Wert genug beimisst, dafür etwas bekommen zu wollen, wenn er sich davon trennt. Dass er weniger als den Neupreis bekommt, liegt das an ihm? Mitnichten, sicher würde er sich auch wünschen, mehr beim Weiterverkauf herausholen zu können. Und sei es, um sich neue Bücher dafür kaufen zu können.

Es liegt an der Tatsache, dass gebrauchte Waren schon weniger als 50% wert sind, wenn sie durch eine Ladentüre hinausgetragen wurden. Bei Autos weiss das jeder, aber kein Autohaus heult öffentlich herum, wenn Gebrauchtwagen in Inseraten nicht mehr zum Neupreis, sondern deutlich billiger erneut Besitzer wechseln. Je älter und länger und öfter sie gefahren wurden, umso geringer der noch zu erzielende Marktpreis.

Es liegt weiterhin daran, dass Autoren und Verlage sich selbst mit dem Parallelverkauf von E-Books ins Bein schießen und dem gedruckten Buch damit den Marktwert nehmen. Vollmundige Anpreisungen, dass E-Books jederzeit und überall lesbar und verfügbar seien, keinen Platz und Raum einnehmen, leicht (auch bei Umzügen) mitzunehmen seien und sie preisen diese zudem noch billiger aus, als das gedruckte Buch. Konkret bei den Kluftinger Krimis liegen die Preise bei Piper für das gebundene Buch bei 19,95 Euro, beim Taschenbuch bei 9,99 Euro und bei E-Books bei 8,99 Euro.

Logisch, dass damit auch der Wettbewerb schon im Neukauf von Büchern ungünstiger für das gedruckte Buch ausgeht und sich erst recht im Wert des gebrauchten Buches als Besitz und bei Weiterverkauf niederschlägt.

Welchen Gebrauchtwarenpreis würden die Autoren selbst ihren Büchern wohl zumessen?

Wer dann noch einen Blick in Online-Portale wirft, in denen der Verlag der Autoren ihre Bücher (wen schert der lokale Buchhandel auch, n’est-ce pas?) verkauft und man ihre Bücher auch gebraucht erwerben kann, findet sie dort bereits zum Preis ab 0,01 Euro pro Band. Die Versandkosten sind bei den Angeboten höher, als die Anbieter der dortigen Bände ihrer Bücher. Heulen sie DARÜBER etwa? Selbst Discounterkaffee ist da vom Preis-WERT für 6 Bücher mehr als 0,06 Euro wert.

Dagegen wechselt beim so verspotteten Annoncierenden gedrucktes Buch mindestens einmal erneut den Besitzer, bleibt als Wert und darin liegender Respekt gegenüber Rohstoff Baum, Papier, offenbar geschätztem gedrucktem Buch, Autoren und Krimis und Krimifigur erhalten und wirbt bei mindestens einem weiterem Büchermenschen für gedrucktes Buch, die Autoren und ihre Krimis und die Krimifigur und das Lesen als solches. Ein Wert und Werbung kostenlos für die Autoren und den Verlag. Die dafür nicht einmal eine Tasse Kaffee für diesen unter ihren Lesern und Bücherbesitzer springen lassen müssen oder gar eine Kilopackung egal welchen Kaffees.

Anstatt über all diese Dinge nachzudenken und anstatt sich bei ihren FB-Followern bemitleiden und ihr gekränktes Ego streicheln zu lassen (wo ihnen unter Fans naturgemäss weniger Kritiker als Claqueure sicher sind) , weil sie den Preis und Gegenwert einer Kilopackung Discounterkaffees als zu gering ansehen, hätte es ihnen vielleicht besser zu Gesichte gestanden, den Annoncierenden mit einer Kilopackung hochwertigeren Kaffees in dem Wert zu überraschen, den sie selbst als angemessener für den Gebrauchtbücherpreis von sechs ihrer Krimibände ansehen. Und den sie sich selbst mutmasslich besser leisten und leisten können, dank ihrer Leser, die Bücher kaufen, en passant, als diese selbst.

DAS wäre pfiffig, souverän und sympathischer gewesen. Sympathischer, als den eigenen Leser und Käufer ihrer Bücher social medial durch den Kakao zu ziehen und gering zu schätzen, der vielleicht „nur“ selbst bei ALDI einkaufen und sich vielleicht „nur“ selbst ALDI-Kaffee leisten kann, aber dennoch (lieber) Bücher kauft, als teureren Kaffee. Und selbst unter „nur-ALDI-Kaffee-Käufern“ auf Käufer für die sechs Bücher hofft und auch diese damit für gedruckte, wenn auch gebrauchte Bücher zu gewinnen sucht, um noch etwas für seine gelesenen Bücher zu bekommen. Und sich vielleicht auch wieder neue Bücher zu kaufen. Ob auch wieder solche dieses Autoren -Duos, wüsste er wie gering sie ihn schätzen und bespötteln?

Wer weiß….

Bücher sind Synonym für Bildung. Nicht nur bei Fachliteratur. Selbst Krimis. Herzensbildung auch für diejenigen, die für kleines Budget noch Bücher gedruckt kaufen und weitergeben und nicht kostenlos weitergeben können und wollen, bekommt man aber eben nicht inklusive im preisgebundenen Neu-Buchpreis von Autoren mitgeliefert als Leser.

Ich jedenfalls schätze grundsätzlich Autoren mehr, die ihre Leser offenkundig nicht so wenig wertschätzen, welche immerhin schon mal Geld für deren Autorendasein, Einkommen und weitere Autorenhonorare ausgegeben und zu ihrer (auch künftigen) Marktfähigkeit für weitere Bücher, deren Vermarktung und auch filmische Verwertung einen geldwerten Beitrag geleistet haben.

Der Leser hat ja die Wahl, ob er auch weiterhin überhaupt einen Krimi dieses Autorenteams kauft. Ob er ihn noch neu kauft (was sich im Autorenhonorar niederschlagen kann je nach Vertagsgestaltungen mit ihrem Verlag) oder nur noch in einer Bibliothek leiht oder nur noch 1 Cent auf deren Bücher gibt, wenn er sie gebraucht kauft (wovon dann Autoren, die ihre Leser geringeschätzen auch nichts mehr verdienen und abbekommen) – oder ob solche Autoren ihren bisher mit mindestens 6 Büchern offenbar treuen Buchkunden bei solcher geringen Wertschätzung auch keinen einzigen Cent mehr wert sind.

Merke: Autoren sind die ersten, die ihren eigenen Marktwert bestimmen. Nicht erst und nicht nur beim Gebrauchtwarenwert und Tauschwert ihrer Bücher.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juli 1, 2016 von in Medley und getaggt mit , , , , , , .

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