Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

Vegetarisch und vegan bei ALDI – oder: Wie man mit einem Etikett das Food- und Umweltgewissen ruhig stellt?

 Milchreis mit Zimtzucker © Liz Collet

Milchreis mit Zimtzucker © Liz Collet

Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund,
warum sich so wenig Leute damit beschäftigen.

Henry Ford

Vielleicht haben Sie bei ALDI auch schon die Convenience-Produkte entdeckt, die in der TK-Abteilung mit einem Etikett „Vegetarisch lecker“ die Kunden fangen wollen und sollen?

Also DIE Art von Kunden, welche aus unterschiedlichen Gründen auf Fleisch verzichten. Und unter denen nicht wenige das nicht nur aus Überzeugung tun, dass dies ihrer Gesundheit förderlicher sei und damit ihrem ganz eigenem Wohlbefinden diene. Sondern aus einer food- und/oder umweltethischen Grundhaltung, um nicht zu sagen: Mission heraus. Die bei manchen mehr oder minder übergriffig, herablassend und (vor-)verurteilend Konsum und Genuss derer bewertet und verbal ohrfeigt, die auf Fleisch nicht verzichten wollen.

Nicht einmal mit so überzeugenden Argumenten wie dem Schaden, den pupsende Rinder dem Klima der Welt zufügen. Oder Argumenten des Tierschutzes. Menschen verurteilt, die zwar kein Fleisch aus Massentierhaltung, aber vom Metzger ihres Vertrauens kaufen; der es wiederum von Landwirten der Region bezieht. Menschen, die Fisch als Delikatesse verstehen und gern zubereiten und geniessen. Und sich daran freuen, solchen vom Fischer oder Fischzüchter zu bekommen und zuzubereiten. Süsswasserfisch aus heimischen Gewässern, beispielsweise, der keine Wege um den halben Globus hinlegen muss, auf welchen Transportwegen auch immer und unter welchen Fang-, Zucht- und Arbeitsbedingungen fernab und wo auch immer. Menschen, die bevorzugt lieber heimische und saisonale Früchte und Gemüse oder sogar Wildgemüse und -kräuter verwenden und geniessen, als Flugmangos oder solche in verarbeiteter und zigfach folien- und plastikverpackter Form, wie ………..

Ja, damit wären wir beim Thema. Kokosmilchreis mit Ananas-Mango-Kompott, den es neuerdings wie einige andere Convenience-Produkte bei ALDI gibt.

Auch beim Discounter sucht man die Umsatzförderung im Markt vegan und vegetarisch orientierter Klientel und bietet seit einiger Zeit entsprechende Produkte an. Munter wirbt man da mit verheissungsvollen Botschaften wie HIER mit einem „international anerkanntem V-Label.“

Und schreibt dazu:

„Dieses bietet mit den beiden Kategorien „vegetarisch“ und „vegan“ eine einheitliche Kennzeichnung. Damit können Sie auf den ersten Blick erkennen, welche Produkte für eine fleischlose bzw. tierfreie Ernährung geeignet sind. Das grüne V im gelben Kreis ist eine international geschützte Marke, die vegetarische und vegane Lebensmittel kennzeichnet. Das Zeichen wird hierzulande vom Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU) – und somit von einer unabhängigen Stelle – vergeben. Als größte Interessensvertretung für vegetarisch und vegan lebende Menschen in Deutschland prüft der VEBU sämtliche Zutaten und Verarbeitungsstoffe umfassend vor dieser Kennzeichnung.“

Welches Veganer- und Vegetarier-Herz würd da nicht vor Freude ein paar Extra-Luftsprünge in Form von einer Sonderrunde Pulsfrequenzen machen!?

Keine Ahnung, wieviele der Kunden prozentual wissen, wer genau der VEBU ist oder ob und welche Funktionen oder Kompetenzen oder gar rechtliche Zuständigkeiten für die Vergabe von verbraucherschutzrechtlichen Etiketten oder Labels dieser hat.

Keine Ahnung auch, wieviele keinerlei Ahnung davon haben, aber wenigstens bereit wären, es mal zu googeln. Und sich genauer anzusehen, wie der VEBU sich selbst darstellt und wieviel davon auch über Eigendarstellung hinaus verbraucherrechtlich und rechtlich relevant ist für Lebensmittellabels und -Zertifikate. Wieviele Kunden stattdessen nur das Label (wenn überhaupt) sehen und das Produkt kaufen. Motto: „Wenn da schon ein Label draufsteht…….“ und schwubbs in den Einkaufswagen, bevor man auch nur die Zutatenliste eines Blickes würdigt.

Wenn SIE die Eigendarstellung des VEBU interessiert, HIER ist deren Website. Wenn Sie auf deren Seite nach unten scrollen, finden Sie Zitate prominenter Unterstützer des VEBU, die ihr Gesicht und ihren Namen für diesen hergeben, weil dieser für Umwelt und Tierschutz sei. Wie sich das mit umweltbelastender Kartonagen- UND -Plastikverpackungen en masse verträgt, können Sie diese Damen und Herren ja mal persönlich fragen. Und wie es sich damit verträgt, als Verein so umweltunfreundlich verpackte ALDI-Produkte mit dem eigenen Label zu „adeln“, die am Ende und Anfang von Nahrungsketten in Form von Umweltbelastung und gar von Mikroplastik dann in Trinkwasser und Lebensraum von Tieren wie Pflanzen wieder auftauchen. Vielleicht haben diese Unterstützer eine Antwort, die SIE überzeugt?

Es gibt jede Menge Menschen, die sich über Plastiktüten bis hin zu den dünnen Obst- und Gemüsetütchen und alle Plastikvorratsdosen im Discounter und Handel generell echauffieren und über Mikroplastik in Meeren, Gewässern und Trinkwasser und Lebensmitteln, in Fischen und wo auch immer es sonst noch landet. Menschen, die aber hirnlos, pardon: hemmungslos bei mehrfach verpackten Fertigmenü-Essen zugreifen, die in Plastikschalen mit Plastikfolien und in zusätzlicher Kartonage daherkommen und in selbigem Plastik und unter (von ihnen nur einzupieksender) Folie in Microwelle oder Backofen zubereitet werden. Obwohl sie weder bedingt durch Alter, Krankeit oder körperliche Handicaps gehindert sind, sich selbst ein Essen frisch zuzubereiten, das nicht aus Plastikverpackungsmüll² kommt, im Preis relativ überteuert gegenüber den einzelnen Zutaten ist, mehr Zusatz- und Konservierungsstoffe enthält, als man für das Gericht selbst braucht und dafür weniger an den Lebensmitteln, die man für das gleiche Geld sonst bekäme. Und für deren Verpackung Umwelt und Tiere am Ende ebenso draufzahlen, um deren Schutz es solchen Kunden (angeblich) so sehr geht. Und der Kunde selbst – mit dem, was er isst und seinem Körper zuführt. Mit dem, was er spätestens bei den Müllgebühren draufzahlt.

Manche Produkte muss und will ich gar nicht erst geschmacklich testen, um mir ein Bild machen zu können, ob und welche Vorteile sie haben sollen gegenüber der eigenen Zubereitung. Nicht einmal dann, wenn ich sie kostenfrei testen sollte. Bereits mit offenen Augen und etwas eigenem Verstand im Handel einkaufen zu gehen, muss nicht, kann aber für die Entscheidung genügen.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus dem Sortiment von ALDI, wie den eingangs erwähnten Kokosmilchreis mit Ananas-Mango-Kompott. En passant: Ich kaufe durchaus manches gern bei ALDI, ebenso wie bei anderen Discountern. Produkte, die gleiche Qualität wie in anderen Supermärkten haben etwa. Pasta beispielsweise, die dort günstiger oder ebenso günstig ist, wie die No name -Artikel oder Eigenmarken der Supermärkte. Es spricht nichts dagegen, die Vorteile von günstigen Preisen von Discountern in bestimmten Warengruppen zu nutzen, die ohne Nachteile in Verpackung oder sonst zu haben sind. Es sei denn, man verträte eine generelle „no-Discounter-Haltung“ und sei es nur mit dem Argument, dass bereits jeder Einkauf diesen Kunden und Umsatz und damit eine Marktmacht sichere. Aber lassen wir das beiseite – ich nutze Discounter, auch ALDI. Muss aber nicht alles gut finden und kaufen.

Bei ALDI suchen Sie HIER vergeblich nach Offenlegung von Zutaten und Zusatzstoffen in diesem Produkt. Auf der Verpackung steht es natürlich. Wenn Sie genau bei Sekunde 48 im nachfolgenden Video selbiges anhalten, können Sie diese (fast alle) auch lesen und die %-uale Menge der Zutaten Milchreis, Ananas, Mango und Kokosmilch wie Pistazien natürlich. Das Video hätte bei rund 8 Minuten Dauer auf diesen Punkt m.M.n. auch inhaltlich eingehen können und sollen, zeigt aber wenigstens anschaulich Optik und Inhalt.

Es ist – wer lesen und rechnen kann, ist klar im Vorteil – ein leichtes Rechenspiel, bei 350 g Inhalt den Anteil dieser Zutaten zu errechnen und was diese kosten würden, wenn Sie diese einzeln kaufen und dann selbst zubereiten.

Bereits der äussere Eindruck genügt bei manchen Produkten, wenn ich mir die überproportionale Verpackungsmenge zur Menge des Verpackungsinhaltes ansehe, bei der ich mich bereits ernsthaft frage, wie viel % des Preises mehr auf Herstellung der Verpackung anfallen als auf Preis, geschweige den WERT der darin verpackten, verarbeiteten Lebensmittel und deren Qualität. Ein Blick auf Zutatenliste (und alles, was darauf steht und was ich nicht in meinem Essen haben will und schon gar nicht muss, wenn ich es selbst zubereite), ist ein weiterer Grund. Bei der Anleitung zur Zubereitung lesen Sie auf der Verpackung, dass diese im Backofen rund 45 Minuten beträgt, in der Mikrowelle inkl. Ruhenlassen rund 10 Minuten, auch das können Sie im Video sehen. Die dortigen Tester essen das Gericht unerwärmt, ob das jedermanns Sache wäre, sei dahingestellt.

Interessanter wäre noch gewesen, wie das Gericht aussieht, wenn es erwärmt worden ist. Aber unterstellen wir, es wäre so, überzeugt mich

  • weder Preis,
  • noch Inhalt,
  • noch vorgebliche Zeitersparnis
  • und am allerwenigsten, dass das um den „Preis“ und Nachteil des Verpackungsmülls erkauft werden muss. Für mich ist es bereits hanebüchen, Lebensmittel in Plastikverpackungen zu erhitzen und aus solchen erhitzten Plastikschalen und -folien zu essen (oder selbst auf Teller umgefüllt), während jedes Fitzel Plastikverpackung und -folie sonst schon unerhitzt als Teil von Konsumgütern und im Haushalt verteufelt wird.

Rechnen wir mal vergleichsweise? UNgegart kosten 500 g Milchreis bei ALDI idR 49 cent. GEGART sind in dem Fertigprodukt 29% Milchreis (Wasser + Rundkornreis), bei 350 g Verpackungsinhalt also 101 g gegarter Milchreis. Für diese Menge können Sie selbst zuzubereitenden Milchreis für weniger als 10 Cent ansetzen. Da haben Sie mit verbleibenden rund 2,30 Euro jede Menge Luft nach oben für die weiteren Zutaten bei eigener Zubereitung.

Erzählen Sie mir an dieser Stelle bitte nichts über die Zubereitungskosten (Strom) von Milchreis, wenn die Fertigkost 10 Minuten Mikrowellenstrom und 45 Minuten Backofenstrom braucht.

Milchreis wird in aufgekochte Milch gegeben und ist binnen 10 bis 15 Minuten bei mittlerer Hitze köchelnd fertig oder quillt von selbst anschliessend aus, wenn man ihn im warmen Topf auf der ausgeschalteten Herdplatte zugedeckt stehen lässt, letzteres dauert bisschen länger als 10 Minuten. Aber nach rund 25 bis 30 Minuten ist er auch dann fertig. Wer genug davon zubereitet, hat anderntags auch abgekühlt noch genug für Dessert, zur Mitnahme im Glas zur Arbeit und kann den Milchreis dann mit beliebigen anderen Früchten kombinieren.

Milchreis mit Himbeeren © Liz Collet

Milchreis mit Himbeeren © Liz Collet

Egal ob ich Milch (da können Sie beim Preis gut und gern sogar frische und Biomilch der Supertrouperkategorie verwenden und kochen immer noch preis.werter) oder Kokosmilch (Konserve, Konservenmüll, sehr sehr heimische Frucht, oder?), etwas Vanille, Zucker (oder einen Klecks Honig) und selbst mehr als 0,06 % von 350 g an Pistazien dazu geben würde – es würde mich keine 2,40 Euro für das Fertigprodukt kosten.

Zeitfaktor?Für mich war und ist es – sogar in Zeiten eigener Vollzeitkanzlei plus Kongress- und Vortragstätigkeiten, mit Mann, Kind, zwei (in deren jeweils eigenen Haushalten – ! -mitbetreuten, zunehmend betreuungsbedürftigen Grossmüttern) und einigen anderen „to-do’s“ des Alltagslebens, das weder „Nine-to-Five-Job“ noch sonst zeitlich unausgelastet war, nie notwendig, „aus Zeitgründen“ auf Fertigprodukte zurückgreifen zu müssen oder wollen. Das schloss hie und da eine TK-Pizza oder -TK-Pommes nicht aus. Ebensowenig wie das Einfrieren von frischen und bereits selbst geputzten rohen Lebensmitteln oder von Portionen zubereiteter Speisen, mit denen sich an manchen Tagen Zeit sparen lässt – beim Kochen, wie beim Einkauf, für den man weder hetzen muss, noch anderen längere Ladenöffnungszeiten aufbürden muss, als sie heute eh schon bestehen.

Aber Kochen, wie auch Backen ist und war stets entspannender und genussvoll genutzter Teil des Tages, bei dem man bereits in der Küche und bei Tisch miteinander Zeit hatte und füreinander.

Preisfaktor? Ohnehin nicht.

Zudem abzüglich des Vergnügens, mein Essen nicht aus einer Plastikverpackung essen oder auf den Teller zu füllen, sondern beim Kochen bereits entspannend und die duftenden Aromen von Vanille und Früchten zu geniessen? Ob Mango und Ananas, ob diese frisch oder lieber saisonal vorhandene, aus der Apfelernte vorhandene oder kühl gelagerte Äpfel, selbst eingemachte oder eingefrorene Früchte, Kompott oder Fruchtmus: Meine Bilanz von Vor- und Nachteilen braucht da keinen Geschmackstest mehr…. IHRE?

Wie man mit einem Etikett das Food- und Umweltgewissen ruhig stellt? Man……? Unternehmen? Oder…. nicht viel mehr der Verbraucher, der die eigentliche Marktmacht hat. Und nicht nutzt, wenn er solche Produkte kauft. Und mit einem Label drüber weg sieht, was er kauft und welcher Preis damit verbunden ist und keineswegs nur auf dem Preisschild steht…..?

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