Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

25. März 2017: WWF Earth Hour

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Hausgemachter Schokoladenpudding © Liz Collet

Seit meiner Kindheit gibt es bei uns ein Ritual, das man im Laufe der Zeit nicht mehr so konsequent täglich leben konnte im beruflichen Alltag. Aber wann immer es möglich war und ist, gehörte es werktäglich wie am Wochenende und im Urlaub erst recht dazu: Die Dämmerstunde. Das ist die Stunde, wenn es draussen sachte dunkler wird und die meisten bereits drinnen das Licht anmachen, weil es (vermeintlich oder am Arbeitsplatz tatsächlich) anders nicht zu gehen scheint.

Als Kind ist das natürlich anders gewesen. Wir liefen draussen herum und spielten mit Nachbarskindern und Freunden, bis es wirklich dunkel wurde und es Zeit zum Abendbrot und Heimkommen wurde. Wenn die Väter oder auch Mütter dann von der Arbeit heimkamen, gekocht wurde und die Familien beim Abendbrottisch zusammensass und gemeinsam speiste und über alles redete, was los war.

Mein Vater kam von Montag bis Donnerstag um Viertel nach Fünf heim, freitags um Viertel nach Vier und von unserem Kinderzimmerfenster aus konnten wir die zwischen zwei Häuserblocks nicht nur den Münchner Fernsehturm sehen, sondern auch die  Busse des Münchner MVV. Die hielten im 10-Minuten-Takt an der rund 500 m von unserem Wohnblock entfernten (und für uns hinter dem einen Häuserblock nicht sichtbaren) Haltestelle. Dann wimmelten Menschen hinter eben diesem Häuserblock zu beiden Seiten hervor, die sich auf ihren Weg nach Hause machten und schon von weitem erkannten wir stets meinen Vater zu jeder Jahreszeit und unabhängig davon, wie hell oder dämmernd oder dunkelnd der Tag dann war an Statur, Schritt, wenn er den Gehweg zwischen Bäumen und Büschen entlang kam. Wir hatten damals noch kein Auto, die Busse des MVV und die einigen Fussweg entfernte Tram an der Schleissheimerstrasse waren von unserem Viertel zwischen Lerchenau, Fasanerie und Feldmochung zur einen und dem Hart zur anderen Seite die Verbindung zu Arbeit und „in die Stadt“, also: die Innenstadt. Und en passant der Olympiabewerbung kam die U-Bahn hinzu, die zusammen mit dem Bus später für meinen Schulweg und auch sonst Alltag wurde, der an der gleichen Haltestelle morgens begann, wie der unseres Vaters. Nur zu unterschiedlich frühen Tageszeiten. Und im Laufe des Tages bis zur Dämmerung und nach Einbruch der Dunkelheit.

Je nach noch bestehender Helligkeit des Tages und schon Dämmerung war das natürlich leichter, unseren Vater kommen zu sehen, wenn im Zimmer noch kein Licht brannte. Kaum erspähten wir ihn, sausten wir fröhlich in die Küche „Der Babbi kommt“, wo meine Mutter das Abendessen richtete und ans Küchenfenster, darauf wartend, bis wir ihn auch den Weg an unserem Häuserblock entlangkommen sahen und um ihm schneller als er den Finger auf den Klingelknopf drücken hätte können, mit dem Türsummer die untere Haustüre öffnen zu können. Mein Vater liebte es, „seine Mädchen“ zu begrüssen, wenn er heimkam, meine Mutter nicht minder. Das war aber nur der eine Teil der Dämmerstunde, die wir als Familie liebten und die auch am Abendbrottisch oder nach dem Abendessen so lange wie möglich mit ihrer Gemütlichkeit und Heimeligkeit gedehnt wurde, bis es wirklich so dunkelte, dass man Licht brauchte. Oder selbst dann nicht, weil man im Sommer noch auf dem Balkon zusammensass und den Abend geniessen konnte oder im Winter Kerzenlicht anzündete. Miteinander plaudernd, Musik hörend beispielsweise. Oder von Balkon zu Balkon mit Nachbarn ratschend. Mit meinem Münchner Grossvater sassen wir dann oftmals zusammen, wenn er uns Geschichten erzählte, wahre und frei erfundene. Bei meinen Grosseltern mütterlicherseits im Pfaffenwinkel war es ähnlich, man plauderte und sass zusammen und mit meinem Grossvater spielte ich dann oftmals Schach und als Licht reichte dazu das Restlicht von draussen herein und das Feuer, das aus dem offenen Ofentürl des Holzkohlenofens in der Kuchl auf den Tisch fiel, an dem wir sassen.

Die Zeiten änderten sich. Mit dem weissen Kugelporsche, unserem ersten Auto, als ich 12 war, parkte mein Vater auf einem Parkplatz anfangs auf halbem Weg zur Bushaltestelle, später auf einem in der Seitenstrasse neben unserem Wohnblock. Die Gewohnheiten änderten sich nicht – wir erkannten „unseren VW“ unter anderen auch aus der Entfernung, schon wenn er neben dem Häuserblock vor der Bushaltestelle aufkreuzte und wie zuvor ging der Ruf durch die Räume „Der Babbi kommt“. Etwas später kam ein CB-Funkgerät in den Kugelporsche und auf das Sideboard im Wohnzimmer und wenn auf dem sog. Anrufkanal (Kanal 15) „Kugelporsche“ die „Mainzelmännchen“ rief, wurde der Tisch gedeckt und der Herd eingeschaltet und nach dem Wechsel von Kanal 15 auf einen anderen Kanal des Geräts schon geplaudert, bevor mein Vater den halben täglichen Weg durch München nach Hause hinter sich hatte. Mal vor, mal mit, mal nach der Dämmerung und Dämmerstunde. Den Käfer, wie auch die anderen Autos erkannte ich am Klang, ebenso wie meinen Vater am Schritt. Das – en passant – galt auch für den Schritt anderer Lieblingsmenschen später – und deren Autos.

Selbst später in Studium und Referendarzeit mit eigenem Studentenzimmer auf der Regensburger Donauinsel liebte ich Morgen- und Abenddämmerung und den Blick vom Fenster auf Donau, Dom und Skyline der mittelalterlichen Stadt, wenn ich zuhause am Schreibtisch arbeitete und nicht bis spätabends in der Bibliothek war. Ebenso in der folgenden kleinen eigenen Wohnung, deren Fenster und Balkon auf Wiese und alte hohe Bäume fiel, zwischen denen man zur Dämmerung oft die Eichkatzerl springen sehen konnte. Und frühmorgens – in den stillesten und damit mußevollsten Stunden des Tages – war und ist es für mich ähnlich. Wenn ich vor Tagesanbruch anderer die Zeit gern geniesse, um zu erledigen, was dann ungestört leicht von der Hand geht und während der Tag langsam hell wird und das Gezwitscher der Vögel vor Fenster und Balkontüren einzusetzen beginnt, je nach Jahreszeit. Die Stunde, in der es sacht zu dämmern morgens beginnt, ist in erheiternd doppeltem Sinne oft genug auf erhellende Weise kreativ und gut nutzbar – für konzentrierte Arbeiten auch am Schreibtisch, an Manuskripten, an Schriftsätzen und vielem anderen. So manche solcher Morgenstunden war mir nützliche Zeit des Tages, um „Kind und Karriere“ unter einen Hut zu bringen, ohne den Stress, den andere dabei beklagen. Aber das ist ein eigenes Thema.

Als Mutter hielt ich es wann immer möglich ebenso wie zuvor: Die Dämmerstunde fiel auf die Stunden, wenn wir nach Arbeit, Kindergarten, Schule heimkamen und wenn ich den Knirps mit in der Küche zum Abendbrotrichten oder Abendessen kochen nahm und munter über alles gequasselt wurde, was der Tag mit sich gebracht hatte oder sonst aus Kinderherz sprudelte oder darauf lag. Oder sie fiel auf die Zeit nach dem Abendessen – wie gesagt: je nach Jahreszeit ist die Dämmerstunde früher oder später – und wir sassen gemütlich im Kinderzimmer oder auf dem Sofa im Wohnzimmer oder meinem Arbeitszimmer und quatschten, bis in die Dunkelheit hinein, es wurde vorgelesen bis man nichts mehr sehen und lesen konnte und dann erzählte ich die Geschichten meinem Knirps weiter. Und eigene Geschichten. Und der Knirps strickte mit an diesen weiter. Manchmal wurde Musik gehört und allenfalls ein Windlicht mit Kerzen warf heimelige Stimmung in den Raum. Hin und wieder gab es dazu Schokoladenpudding, ein süsses Nachtmahl für kleine und grosse Naschkatzen und Kindsköpfe. Je nach Jahreszeit hörte man und sah man dann mehr, als alles das, was an Vogelgezwitscher von draussen durch offene Fenster und Türen hereinklang. Man sah und hörte vor allem sehr viel mehr voneinander, in dieser heimeligen Dämmerstunde miteinander. Es ist ein zauberhafter, nur scheinbarer Widerspruch in sich, wie oft sich Erhellendes aus eben und eben in solchen anheimelnden, dunkelnden Dämmerstunden hören, sehen, erkennen, erspüren und erfahren lässt. Miteinander. Voneinander.

Knirpse wachsen heran und werden grösser, aber sie behalten manches gern bei, selbst dann, wenn sie flügge werden und selbst zum Studium gehen. Und ich liebe diese Dämmerstunde nach wie vor auch. Nur meine persönliche Meinung – aber sie ist eine der Zeiten des Tages und Alltages, die manchem vielleicht gut und besser täten, als der Rund- um-die-Uhr-Medienkonsum, erst recht am Feierabend. Gegen den viel beklagten Stress, gegen viel zu hörenden zunehmende Schlafstörungen und allzu aufgedrehte Kinder, die nicht ins Bett und zum Schlafen zu bekommen sind. Bei manchen – wie man neuerdings lesen muss – nicht einmal ohne fragwürdige Schlafmittel an Kinder und Kleinkinder.

Das Licht nicht erst auszumachen, sondern einfach länger ausgeschaltet zu lassen, andere stromverbrauchende Geräte ohnehin, im Alltag, ist eine blosse Frage der Gewohnheit, die nicht nur und nicht in erster Linie nur dem Strom- und Geldsparen dienen kann. Sondern der Zeit für sich, füreinander und um mehr zu sehen und zu hören, als im Licht- und Lärmtrubel, den die meisten gar nicht mal mehr bewusst merken. Sondern erst dann, wenn es zum Blackout kommt. Oder einmal im Jahr mit der WWF Earth Hour eine Stunde das Licht ausgeschaltet werden soll.

WWF Earth Hour ist ein globales Zeichen für den Klimaschutz und soll dazu motivieren, umweltfreundlicher zu leben.

Rund um den Globus gehen am 25. März jeweils um 20.30 Uhr Ortszeit für eine Stunde die Lichter aus. Gezwitschert und gepostet wird ebenso diese Welle entlang der Zeitzonen einmal um den gesamten Erdball.

Weltbekannte Bauwerke wie das Empire State Building in New York, die Oper in Sydney, der Pariser Eiffelturm oder die Akropolis von Athen werden zur Earth Hour nicht mehr wie sonst von Licht angestrahlt oder erleuchtet. In Deutschland werden zur Earth Hour 2017 unter anderem das Brandenburger Tor in Berlin, der Kölner Dom und die Frauenkirche in München ihre Beleuchtung ausschalten.
Die Earth Hour findet 2017 bereits zum elften Mal statt. Städte in 178 Ländern werden am 25. März bekannte Bauwerke und Denkmäler in Dunkelheit hüllen, um ein Signal für mehr Umwelt- und Klimaschutz zu senden. Auch unzählige Privatpersonen werden sich an der Aktion beteiligen. In Deutschland sind rund 240 Städte und Gemeinden dabei.

Slogan der Earth Hour ist „Change Climate Change“. Die Umweltschützer wollen damit auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen.

Mit der Earth Hour ruft der WWF dazu auf, sich gemeinsam 60 Minuten Zeit zu nehmen, um sich der Thematik bewusst zu werden, um zu diskutieren und sich auszutauschen über das, was wir tun können, um die Umwelt und das Klima unserer Erde zu schützen. Natürlich nicht nur eine Stunde pro Jahr, sondern jeden Tag.

Mehr zur Earth Hour 2017 erfahren Sie  beim WWF.

Für mich braucht es die Earth Hour weder, um mehr über Klimawandel und Umwelt mal die eine Stunde nachzudenken. Wichtiger wäre es in den 8759 Stunden zwischen der jährlichen Earth Hour darüber nicht nur nachzudenken, sondern bewusster mit Licht und Energie umzugehen. Und meinem Eindruck nach ist vielen in diesen 8759 Stunden dazwischen recht schnell wieder schon allein das Thema Strom und Energiekonsum wenig wichtig. Ausser vielleicht, wie sie durch Wechsel eines Stromanbieters oder den Kauf eines Neugerätes vermeintlich oder angeblich Strom, mehr aber: Geld sparen können.  Bei gleichbleibend hohem Gerätepark und seiner Nutzung und Stromkonsum. Oder wie sonst wäre zu erklären, dass und wieviel WÄHREND der Earth Hour in allen Netzwerken gezwitschert und gepostet wird…….? Na, dämmert’s?

Ni X für U ngut!

Ach ja, EINES habe ich ebenso wie die Dämmerstunde noch immer als liebe Gewohnheit – ich sehe meinen Lieblingsmenschen noch immer gern nach, wenn sie das Haus verlassen und erwarte und sehe sie gern ankommen, wenn sie heimkommen. Von wo auch immer.

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