Lizchens Markt-Gangerl

Lizchens Spazier- und Schnupperwege in der Welt der Wochen-, Super- und anderen Märkte, der virtuellen Shops, der Marken und Produkte

Kleinigkeiten – machen den grossen Unterschied zwischen Onlineshops und lokalem Einzelhandel

WMF Ersatzteil Dichtung Restdrucksicherung Schnellkochtopf Perfect © Liz Collet

WMF Ersatzteil Dichtung Restdrucksicherung Schnellkochtopf Perfect © Liz Collet

DER Schnellkochtopf schlechthin – der Sicomatic von SILIT, dem zu WMF gehörendem Unternehmen – feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen (u.a. mit einem Gewinnspiel).

Schon meine Grosseltern, deren und auch meine Eltern nutzten die Schnellkochtöpfe, welche seinerzeit unter dem Namen „Sicomatic“ (Wortschöpfung aus Sicherheit, Kochtopf und automatisch) auch markenrechtlichen Schutz erlangten. Die damals dunkelblauen bzw schwarzen und hohen Schnellkochtöpfe (ca 6 l) wurden in meiner Kindheit vor allem genutzt, wenn Suppenhuhn, Pellkartoffeln (eine erste immer noch heiss auf die Hand frisch aus dem Topf), Pichelsteiner, Suppenfleisch, Rindfleisch, Rinderbraten oder Kraut mit Wammerl (rohes, geräuchertes oder gekochtes), Haxen (rohe oder geräucherte) oder kleine Schweinehaxerl, -Pfoten und Schwanzerl auf dem Kraut oder im Sud für Sulz und manches andere gegart wurden. Und wenn Gemüse und Markknochen zusammen mit Suppenfleisch und Suppenknochen darin garen, ist’s Schönste, nach dem Öffnen des Deckels den Duft zu geniessen, den keine Tütensuppe im Wettbewerb gewinnen würde. Aus der auch kein Markknochen mit ausgelöstem Mark den Genuss liefern kann, das Mark auf Bauernbrot mit Salz, Pfeffer und Petersilie noch heiss zu schnabulieren.

Als junge Referendarin und selbst junge Mutter gehörte ein eigener Sicomatic (4,5 l, aussen inzwischen in modernerem Stil und in einer Sonderedition mit weissem Emaille und mit schmuckem pastellfarbenem Blütenmuster) zu den Anschaffungen, die ich nicht hätte missen mögen. Wadenfleisch vom Rind wird darin butterweich und -zart und köstlich, ebenso andere Stücke vom Rind, an die manche sich nicht trauen, weil sie ihnen vermeintlich zäh geraten könnten.

Dieser erste eigene Schnellkochtopf tat rund 20 Jahre seinen braven Dienst, bevor er (nicht aus Verschleiss-, sondern aus anderen Gründen) durch einen dann bei der Gelegenheit gleich grösseren ersetzt werden musste. Die Gelegenheit bot sich dazu, als ich noch in meiner Isarmetropole wohnte und bei einem Sonderangebot meines dortigen Lieblingshaushaltswarengeschäftes, zu dem auch schon meine beiden Grossmütter und meine Urgrosseltern gingen, wenn im Haushalt etwas anzuschaffen war – Kustermann am Viktualienmarkt.

Hatte Schnellkochtöpfen für einige Jahre ein etwas spiessiges Image angehaftet, gewannen sie vor einigen Jahren wieder an Charme. Die Vielfalt inzwischen verfügbarer Schnellkochtöpfe und jeweils mehrerer Grössen und Modelle von verschiedenen Markenherstellern ist beeindruckend, beeindruckte mich aber nicht. Mir genügt ein möglichst klassisches, einfach zu handhabendes Modell mit wenig Spezialschnickschnack, das auch keine voluminösen Bügelverschlüsse oder Drehgriffe etc. besitzt und daher wenig Verschleissteile hat, die mühsam bei Bedarf nachgekauft werden müssten und vielleicht nicht mehr können. So dass dann nur ganze Deckel ersetzbar sind – ein teurer Spass. Unvermeidliche Verschleissteile beim Schnellkochtopf sind der Dichtungsring im Deckel, die Dichtungskappe und das Dampfventil. Beim vorangegangenen Schnellkochtopf habe ich davon nur den Dichtungsring 1 x in rund 20 Jahren auswechseln müssen. Bei der Neuanschaffung dann des grösseren Modells kaufte ich gleich einen zweiten als Ersatz mit, der gut verpackt für irgendwann dann als Reserve da sein wird, wenn er vielleicht mal benötigt wird.

Dummerweise war mir vor einiger Zeit jedoch ein Dichtungsteil – sei es beim Umzug, sei es unbemerkt vor oder nach dem Spülen – abhanden gekommen, als ich den Deckelgriff gelöst hatte. Ich vermute ersteres, da die Kappe ja anderenfalls im Spülbecken oder auf der Arbeitsfläche gelandet und nicht übersehen worden wäre von mir. Sei’s drum – sie war perdu und alle Suche blieb vergeblich.

Vor einigen Tagen war ich wegen eines Backpinsels aus Holz und mit Borsten, die man leider inzwischen  von den für mich ganz ungeliebten Silikonbackpinseln verdrängt, in keinem Supermarkt mehr bekommt und allenfalls sonst online bestellen kann, zu Haushaltswaren Paul gegangen.

Backpinsel © Liz Collet

Backpinsel © Liz Collet

Seit ich 1992 erstmals und dann Jahr für Jahr im Blauen Land Urlaub machte und seit meinem Umzug vor 5 Jahren hierher mein Quasi-„Murnauer Kustermann“.

Natürlich bekam ich dort meinen Holzbackpinsel, den es in 3 verschiedenen Grössen bzw. Breiten gibt beim Paul.

Btw.: Wer online nach solchen Holzbackpinseln sucht, stellt schnell fest, dass er sie vielleicht zu einem weitgehend gleichem oder allenfalls marginal günstigerem Preis dort findet, aber mit den anfallenden Versandkosten immer draufzahlen wird.

Und stöberte wie stets gern bei der Gelegenheit im hübschen Laden nach diesem und jenem, das es dort unverändert und das es ebenso als Aktionen und Sonderangebote und immer wieder auch saisonal und nach Themen angeboten zu sehen und kaufen gibt. Fand mich schliesslich vor den Sonderangeboten der Jubiläums-Schnellkochtöpfe von Silit wieder und im Gespräch mit Frau Paul. Und da zeigt sich dann eben in Kleinigkeiten der grosse Unterschied zwischen versiertem Einzelhandel und seinen Inhabern einerseits und Onlineshops von Unternehmen (und Markenherstellern) und Onlinemarktplätzen andererseits. Anstatt einen neuen Topf oder ganzen Deckel als Ersatz verkaufen zu wollen, wird einem angeboten, mit dem Deckel wiederzukommen oder mit dem genauen Modellnamen des eigenen Schnellkochtopfes, damit dann das „Gummidichtungsteil“ bestimmt und ggf. für mich besorgt werden kann.

Gesagt, getan. Bevor ich aber wieder zu Pauls Laden ging, war ich neugierig, ob das Teil online beim Hersteller selbst oder sonst zu finden wäre. Nicht um es dann dort zu kaufen – denn ich bevorzuge den lokalen Einzelhandel und kaufe online ausnahmslos nur dann, wenn ich im örtlichen Einzelhandel weder im Laden bekomme oder dieser auch nicht bestellen kann, was ich brauche. Aus grundsätzlichen Erwägungen, die ich bereits an anderer Stelle und mehr als einmal zusammengefasst habe, einige davon sind diese:

  • Die Preise der Produkte sind im Onlinehandel weitgehend kaum günstiger, als im lokalen Einzelhandel und Handel, selbst wenn (meist erst ab bestimmtem Warenwert, wenn überhaupt) Versandkosten nicht anfallen.

  • Versandkosten sind aber überwiegend üblich, oftmals teurer, als Verpackungsgrösse konkret erfordern würden und daher versteckter Ausgleich eines vorgeblich günstigeren Preises.

  • Onlinemarktplätze zahlen in Deutschland entweder keine oder wenig Steuern, tragen daher keinen Beitrag an Infrastrukturen und anderen Leistungen vom Kommunen, die aus den Einnahmen von Steuern, Abgaben und Gebühren für Bürger finanziert werden müssen und von diesen. Wer Kindergarten, Hort, Schulen, Feuerwehren, aber auch andere Infrastruktur für Bürger und Familien aller Generationen auch weiterhin will, muss sich damit auseinandersetzen, wie diese finanziert wird und von wem eben nicht, wenn Unternehmen nicht am Ort sind, sondern nur virtuell wo auch immer Waren anbieten und für den eigenen Ort keine Steuereinnahmen bieten.

  • Onlinemarktplätze bieten wenige bis keine Arbeits- und noch weniger Ausbildungsplätze und diese zu kritikwürdigen vertraglichen Bedingungen.

  • Sie und Onlineshops von Markenherstellern im Inland berechnen Versandkosten, die ich beim örtlichen Einzelhandel nicht habe.

  • Sie und Onlineshops ziehen mit dem Versand nach sich, dass ich auf Pakete warten oder diese mühselig bei der Poststelle abholen muss, obwohl ich zuhause war und weil nicht mal geklingelt, sondern allenfalls Benachrichtigungskarten eingeworfen werden.

  • Selbst wenn letzteres nicht erfolgt, wird mit erhöhtem Verkehrsaufkommen umweltbelastend Versand und Zustellung vorgenommen und dies zudem zu Einkommens- und anderen Vertragsbedingungen für Zusteller und deren Subunternehmer oder Arbeitnehmer, die seit langem kritikwürdig und bekannt sind und deren System ich daher nicht durch Onlinekäufe fördern und erhalten will, während Einzelhandel vor Ort verloren geht.

  • Vom Verpackungsmüll, den man regelmässig dann selbst entsorgen muss und der vermeidbare Umweltbelastung darstellt, egal ob und wie recycelbar, gar nicht zu reden.

 

WMF Ersatzteil Dichtung Restdrucksicherung Schnellkochtopf Perfect © Liz Collet

WMF Ersatzteil Dichtung Restdrucksicherung Schnellkochtopf Perfect © Liz Collet

Online fand ich nach einiger Suche übrigens zwar das zu meinem Modell des WMF Schnellkochtopfes Perfect passende Ersatzteil, hätte aber für die Bestellung einen Versandkostenbetrag zahlen müssen, der fast so teuer wie der Preis des Teils (5,95 Euro) selbst gewesen, seinen Kaufpreis damit um fast 100% verteuert hätte. Auch bei versandkostenfreier Bestellung hätte ich es jedoch nicht online gekauft – aus den oben bereits genannten anderen und weiteren Gründen. Lieber gehe ich auch noch ein zweites Mal dann los und kaufe es im Laden bei Paul.

Übrigens mehr als 5,95 Euro zahlte ich bei meinem Haushaltswarenladen Paul auch nicht, der sogar eines davon in seinem Schubfach parat hatte (ebenso wie solche anderer Schnellkochtopfmodelle). Service, der unbezahlbar ist und zudem mit immer nettem und freundlichem pesönlichem Gespräch verbunden. Und dies ist ein weiterer von vielen Gründen, warum ich konsequent örtlichen Einzelhandel bevorzuge. Wie gesagt. Kleinigkeiten – machen den grossen Unterschied zwischen Onlineshops und lokalem Einzelhandel.

VIELE (nur scheinbar unwichtige, banale und einzeln betrachtet vermeintlich nebensächliche) Kleinigkeiten.

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Ein Kommentar zu “Kleinigkeiten – machen den grossen Unterschied zwischen Onlineshops und lokalem Einzelhandel

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